JSWU - Die Geschichte des Vereins
2007 Fünf Verbände aus der Grünen Branche schliessen sich zum Branchenverband JardinSuisse zusammen.
Ein Rückblick zum 100-jährigen Verbandsjubiläum 1895 - 1995
«Bezugnehmend auf die Unannehmlichkeiten, die im Monat Juli zwischen Herrn Johann Kuske, Handelsgärtner, und den hiesigen Gärtnergehilfen gepflogen, fühlen sich einige Gärtnermeister veranlasst, gegenüber den Gehilfen Stellung zu nehmen.» Dieses erste kurze Protokoll entstand am 20. August 1894. Aus diesem Streit heraus gründeten die Gärtnermeister zur Vertretung ihrer Interessen einen Verein. Die Gründungsversammlung des Handelsgärtner-Vereines Winterthur und Umgebung fand am 17. Januar 1895 statt. Der Verein war noch kein Jahr alt, als die Gärtnergehilfen in einen Streik traten. Sie forderten von den Arbeitgebern höhere Entlöhnung. In der Folge des Streikes wurde der Stundenlohn für bessere Gehilfen von 40 Rp. auf 45 Rp. erhöht. Die Winterthurer Gärtner übten in ihrer ganzen Verbandsgeschichte immer eine gesamtschweizerische Vorreiter-Rolle aus.
1898 wurde auf deren Initiative der Schweizerische Handelsgärtnerverein gegründet. Zum ersten Präsidenten des Vereines wurde der Winterthurer Josef Peter gewählt. Zwischen nämlichem Josef Peter und dem damaligen Stadtgärtner-Anwärter Fritz Büchi entbrannte wenig später ein hässlicher, persönlicher Streit wegen Pflanzenlieferungen, der mit dem Vereinsausschluss von Josef Peter endete.
1909 wehrte sich der Handelsgärtner-Verein beim Stadtrat erfolglos gegen die Gründung einer Stadtgärtnerei. Auch die Verhandlungen mit den Stadtbehörden von 1910 über Pflanzenlieferungen und Arbeiten für den neuen Friedhof verliefen erfolglos.
Winterthur bewarb sich 1914 als Standort für die neue Gartenbauschule. Der Entscheid fiel später auf Oeschberg (BE), wo sie auch heute noch steht. Als erster Direktor der Schule wurde das Winterthurer Mitglied A. Erb gewählt. Von den vier bisherigen Direktoren bis 1995 kamen zwei aus Winterthur, neben A. Erb auch A. Wettstein.
Der erste Weltkrieg brachte der ganzen Gärtnerschaft viel Mühe und Sorgen. Sowohl Meister wie Gehilfen standen monatelang im Aktivdienst. Die Zahlungsmoral der Kunden war äusserst schlecht. 1916 traten die Arbeiter wieder in einen Streik und setzten höhere Stundenlöhne durch. 1918 kamen auch noch Verhandlungen mit der Arbeiterunion über die Arbeitszeit dazu. 1919 wurde die Gärtnerei in einem Bundesbeschluss der Landwirtschaft unterstellt.
1924 fand in Winterthur die kantonale Gewerbe-, Landwirtschafts- und Gartenbau-Ausstellung statt. Der GartenbauBereich wurde von Stadtgärtner F. Büchi projektiert und auf 20'000 m2 präsentiert. Es beteiligten sich 28 Kollektiv-Aussteller, fast alle waren Vereinsmitglieder. Bei der Bewirtung der Ehrengäste passierte Ernst Gubler ein Missgeschick. Er servierte einem der Herren Bundesräte den geschwungenen Nidel anstatt in den Teller - auf die Hose!
1931 organisierten die Gärtnermeister in der alten Festhütte eine Blumenausstellung. Als Hauptobjekt wurde ein riesiges Blumenparterre mit über 13'000 Blumen ausgestellt. Die einwöchige Ausstellung lockte infolge kalten und schlechten Wetters nur wenige Besucher an. Auch die 1937 durchgeführte Ausstellung «Grüne Woche» erwies sich als Fiasko. Nicht anders erging es dem Gärtnermeisterverein bei der Durchführung einer Frühlingsausstellung 1938. Die Zeit war geprägt durch Pleiten mit Ausstellungen. Dennoch haben die Gärtner nie den Mut verloren, ihre Leistungen in der Öffentlichkeit immer wieder darzustellen.
1938 wurde die Gewerbeschule reorganisiert. Neue Lehrer wurden Eugen Thrier und Albert Bachmann. Im Verein waren dannzumal bereits 49 Mitglieder zusammengeschlossen. 1939 wurde die Lohnentschädigung für Militärdienstpflichtige eingeführt.
Wegen des 2. Weltkrieges wurden die Preise für Gemüsesetzlinge von Amtes wegen festgesetzt. 1944 betrug der Stundenlohn für Arbeiter Fr. 1.72. Mit dem Kriegsende feierte der Gärtnermeister-Verein Winterthur und Umgebung das 50-Jahre-Jubiläum. Eine Theatervorstellung, aufgeführt durch eigene Leute, sowie das Gärtnerchörli waren reizvolle und gemütliche Elemente der Feier. Die Kosten von Fr. 2950.- wurden mit Spenden gedeckt.
Anlässlich des 50-Jahre-Jubiläums des VSG von 1948 fand eine Vorfeier in Winterthur statt. Am Grabe von Josef Peter, Gründer des VSG und ehemalig Ausgeschlossener, wurde ein Kranz niedergelegt. Albert Müller sen. wurde zum Ehrenmitglied des Gärtnermeisterverbandes Winterthur und Umgebung ernannt.
Eine erhebliche Konkurrenz erhielten die Gärtner, als die Migros eine Abteilung für Schnittblumen und Topfpflanzen eröffneten. Abwehrmassnahmen mussten auch durchgeführt werden gegen öffentliche Kantons- und Gemeindebetriebe, welche verschiedentlich ortsansässige Gärtnereibetriebe auf unreelle Art konkurrenzierten.
1958 wurde Karl Kuske zum Ehrenmitglied gewählt. Ein Jahr später fand die erste schweizerische Gartenbauausstellung, die "G59", statt. 1960 wurde diversen Mitgliedern von Verbands-Kollegen mit Pflanzen ausgeholfen. Sie waren durch starken Hagel in Not gekommen. Die Gärtnermeister beantragten in dieser Zeit dem Stadtrat die Anschaffung einer Kompostierungsanlage. Trotz grosser Bemühungen des Verbandes und einer Abnahmegarantie für ein grosses Quantum Kehrichtkompost wurde der Vorschlag bei den Behörden abgelehnt.
In den sechziger Jahren einigte sich der Verband in zähen Gesprächen mit den Arbeitnehmern zuerst über sechs, dann über zwölf arbeitsfreie Samstage pro Jahr sowie über eine Feiertagsentschädigung je nach Lohn zwischen Fr. 26.- und Fr. 32.- pro Tag.
1966 wurde Eugen Thrier, obwohl nicht Mitglied des Verbandes für seine Arbeit als Publizist und Referent und für seine nebenamtliche Tätigkeit als Berufsschullehrer mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet.
Die jährliche Arbeitszeit wurde 1969 von 2600 auf 2500 Stunden reduziert. Gleichzeitig wurden die Verrechnungslöhne angehoben. Der Geranienmarkt wurde 1970 vom Neumarkt an die Steinberggasse verlegt. 1975 fand im ABM Zentrum Rosenberg mit viel Erfolg eine Frühlingsausstellung der Gärtner statt. 1976 wurde in jeder schweizerischen Gemeinde von den Gärtnermeistern gratis je ein Baum gepflanzt.
Erdölkrise 1979: Der Erdölpreis steigerte die Produktionskosten bei der Topfpflanzenproduktion um ca. 40 Prozent!
Die zweite Schweizerische Gartenbauausstellung "Grün 80" lockte rund 3,6 Millionen Besucher nach Basel. Trotzdem entstand ein ungedecktes Defizit von 5 Millionen Franken.
1983 wurde Erich Heim wegen seiner besonderen Verdienste um die Ausbildung und wegen seiner Publikationen zum Ehrenmitglied ernannt. Die Gärtner treffen sich seit 1983 monatlich zu einem Stamm. 1985 wurde die vierte Ferienwoche für alle Mitarbeiter eingeführt. Die Gärtnerberufe stossen auf immer grösseres Interesse. Viele Unternehmen präsentieren sich mit Tagen der offenen Türe. 1993 organisierten die Gärtnermeister zusammen mit der Stadtgärtnerei die Ausstellung "Grünes Haus" im Volkshaus Winterthur. Im gleichen Jahr wurden an der Winterthurer Messe 4 Gärten als Ruheinsel präsentiert.
In den frühen achtziger Jahren durften die Gärtnerberufe einen markanten Zulauf verzeichnen. Ab 1977 wurden in Winterthur alle Gärtnerlehrlingsklassen doppelt geführt. Zwischen 1971 und 1991 wurden von den Gärtnermeisterverbänden nicht weniger als 15'230 Gärtner-Fähigkeitszeugnisse ausgestellt. Alle Gärtnerberufe haben 1985 ein neues Ausbildungsreglement erhalten, an dessen Entstehung
die Winterthurer Gärtner massgeblich mitgearbeitet haben. Jeder hundertste Schulabgänger begann 1991 eine Berufslehre als Gärtner. Heute setzt sich der Berufsverband vor allem für eine nachhaltige Aus- und Weiterbildung seiner
Fachkräfte ein.